April 2017

Wie arbeiten eigentlich Buchübersetzer? Schon seit längerem überlege ich, zu diesem Thema ein paar Blogeinträge zu bringen. Den Anfang macht heute ein Interview mit meiner lieben Kollegin Jutta Schiborr, die mit mir zusammen studiert hat und inzwischen in Brüssel lebt und arbeitet.

Mehr zu Jutta Schiborr und ihrer Arbeit findet man auf ihrer Homepage juttaschiborr.eu .

 

IMG_2947-minWie bist du zum Übersetzen von Büchern gekommen?

Über meine Liebe zu Büchern und zur Literatur. Solange ich denken kann, habe ich immer viel und gerne gelesen. Daher war mir früh klar, dass ich beruflich etwas mit Büchern machen möchte.

Nach meiner Ausbildung zur Buchhändlerin bin ich dann für ein Jahr nach Paris gegangen, um meine Französischkenntnisse auszubauen und das französische Buchhandelssystem kennenzulernen.

Im Anschluss daran habe ich das Diplomstudium „Literaturübersetzen“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf absolviert (in den Sprachen Französisch, Englisch und Deutsch als Zielsprache). Als Übersetzerin kann ich meine beiden Leidenschaften – Bücher und Fremdsprachen – auf ideale Weise vereinen.

 

Wie sieht dein Tagesablauf aus?

In der Regel bin ich ab ca. 8 Uhr 30 im Büro und übersetze bis zum späten Nachmittag. Die Zeit danach ist der Familie gewidmet. Wenn eine Deadline näher rückt bzw. ein Projekt sich als sehr rechercheintensiv erweist, setze ich mich auch abends noch an den Schreibtisch.

juttaschiborr.eu

Was findest du an deinem Beruf besonders schön?

Dass ich mich den ganzen Tag über mit Büchern und Sprache(n) beschäftigen kann! Diese intensive, kreative Textarbeit mag ich wirklich sehr. Und auch, dass ich mir meine Zeit frei einteilen kann, empfinde ich als großes Plus. Wenn ich tagsüber mal einen Termin habe, hänge ich einfach den Abend dran, um auf mein Seitenpensum zu kommen.

 

Gibt es auch Sachen, die du nicht so toll findest?

Die Einsamkeit am Schreibtisch macht mir manchmal zu schaffen. In diesen Momenten vermisse ich die Zeit, in der ich als Buchhändlerin gearbeitet habe und von netten Kollegen umgeben war. Aber das ist zum Glück nur ab und zu der Fall. In der Regel sitze ich gerne am Schreibtisch und genieße die Ruhe, sodass ich mich ganz aufs Übersetzen konzentrieren kann.

 

Du übersetzt ja nun neben Romanen auch Kochbücher. Wie hat sich das ergeben?

Durch einen glücklichen Zufall. Eine Freundin hörte von einer Lektorin, die eine Übersetzerin für ein Kochbuch aus dem Französischen suchte. Ich habe den „Sprung ins kalte Wasser“ gewagt und so viel Spaß beim Übersetzen gehabt, dass ich gleich wusste, ich will mehr davon! Kochbücher zu übersetzen, empfinde ich als etwas sehr Sinnliches. Gleichzeitig lerne ich eine Menge über Zutaten und neue Zubereitungsmethoden. Auf diese Weise vertieft man sein Wissen und erhält wertvolle kulinarische Anregungen, was natürlich auch dem Rest der Familie zugutekommt 😉

 

Gibt es da bei der Arbeit Unterschiede? Was machst du lieber – Romane oder Kochbücher übersetzen?

Die Arbeit an einer Romanübersetzung ist intensiver und zeitaufwendiger als bei einer Kochbuchübersetzung – schon allein durch die Tatsache, dass die Textmenge bei Romanen in der Regel um einiges umfangreicher ist. Außerdem stehen bei Romanübersetzungen stärker stilistische und rhythmische Fragen im Vordergrund. Der Text soll ja „aus einem Guss“ sein und sich im Deutschen schön flüssig lesen.

Bei Kochbüchern hingegen geht es vor allem um sorgfältige Recherchen im Hinblick auf Zutaten und eventuelle landestypische Unterschiede. Und um das entsprechende Fachvokabular, das natürlich ebenfalls dazu gehört. Wobei Kochbuch nicht gleich Kochbuch ist! Wenn ein Kochbuchautor beispielsweise einen eher literarischen Stil pflegt und den Schwerpunkt auf umfangreiche Rezepteinführungen und Beschreibungen legt, unterscheidet sich meine Arbeit oft gar nicht so sehr von Romanübersetzungen.

Letztlich mache ich beides gleich gerne. Die Abwechslung empfinde ich als großen Vorteil und ich hoffe, dass ich beide Bereiche weiter ausbauen kann.